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für Flüchtlinge

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Donnerstags, 09:00 - 12:00 Uhr


Markus Oelschläger
Sachgebietsleitung Bürgerbüro
Tel  07022 94342-30
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Raum 11

Obdachlosen- und Flüchtlingsbetreuung

 
Gemeinde soll ins Windhund-Rennen

05.12.2015 Nürtinger Zeitung von Heinz Böhler

Frickenhausens Bürgermeister schlägt in Bürgerversammlung eine Kreditaufnahme für Flüchtlings- und Sozialwohnungen vor

Null Zinsen für einen Millionenkredit – die europäische Wirklichkeit im Herbst 2015 macht’s möglich: 1,4 Millionen Euro neue Schulden, berichtete Frickenhausens Bürgermeister Simon Blessing am Donnerstagabend während einer Bürgerversammlung in der Gemeindehalle Auf dem Berg, werde die Gemeinde aufnehmen.
Voraussetzung sei allerdings, dass der Gemeinderat dem noch zustimme.

Grund für die weitere Verschuldung sei, so der Schultes vor einer überschaubaren Zuhörerschaft, die sich immer angespannter gestaltende Unterbringungssituation von Flüchtlingen. Zwar habe man die derzeit 44 aus Gambia stammenden Asyl suchenden Personen im Zuge der „vorläufigen Unterbringung“ mit einem wintersicheren Obdach versorgt, doch müsse man innerhalb der Gemarkung der Gemeinde einem auf alle Landesgemeinden anzuwendenden Schlüssel nach bis Ende 2016 für insgesamt 170 Flüchtlinge Obdach gewährleisten – und das sei nur mit Hilfe zur Verfügung gestellten privaten Wohnraums und, flankierend, gemeindlich initiierten sozialen Wohnungsbaus zu stemmen.

Bei dieser Gelegenheit wollte Blessing gleich Gerüchten entgegentreten, wonach privaten Vermietern bei der Aufnahme von Flüchtlingen bis zu 20 Euro pro Tag und Kopf bezahlt würden: „Wir können als Zwischenmieter maximal neun Euro pro Quadratmeter zahlen“, dämpfte Blessing diesbezüglich übertriebene Erwartungen im Ansatz.

Bei allen Überlegungen zu Unterbringung und Integration von Flüchtlingen, betonte der Schultes, stehe der Erhalt des sozialen Friedens in der Gemeinde im Vordergrund. Deshalb habe man in Frickenhausen anders als manche Nachbargemeinde (diesen Seitenhieb konnte sich der Schultes denn doch nicht verkneifen) es von Anfang an vorgezogen, mit einem ohnehin nicht vermeidbaren Problem so offensiv wie möglich umzugehen und das Gros der Bürgerschaft in die dazu nötigen Überlegungen und Aktivitäten mit einzubeziehen.

„Wenn der Topf leer ist, gibt’s nichts mehr“
Simon Blessing, Bürgermeister, Frickenhausen

Das habe zur Folge, dass die momentan in Frickenhausen untergebrachten überwiegend jungen Männer aus einem despotisch regierten westafrikanischen Kleinstaat provisorischen Unterricht in deutscher Sprache erhielten (Blessing: „Manche mussten erst mal alphabetisiert werden“), in Vereinen zum Singen, Trommeln und Fußballspielen Gelegenheit bekamen und, was zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch nicht bekannt war, in einem Fall bereits zur vorläufigen Anstellung in einem Frickenhäuser Gewerbebetrieb geführt hat.

Natürlich sind nicht alle Einwohner der drei Teilgemeinden Frickenhausens bereit, der von Verwaltung und Gemeinderat gemeinsam verfolgten Linie zu folgen. So sah sich Bürgermeister Blessing am Donnerstagabend durchaus mit etlichen kritischen Stimmen aus der Bürgerschaft konfrontiert – allerdings ohne dass dabei irgendwelche Stimmungswogen hoch anzuschwellen drohten.

Simon Blessing zeigte jederzeit Verständnis für jene Bürger, die nicht verstanden, warum junge Männer aus Gambia nach Europa kommen. „Meine private Meinung zum Flüchtlingsproblem ist vollkommen irrelevant. Als Bürgermeister muss ich sehen, wie ich mit den mir von übergeordneten Behörden aufgegebenen Problemen fertig werde. Alles Lamentieren hilft nichts. Nur wenn wir die Sache gemeinsam und entschlossen anpacken, werden wir damit gut zurechtkommen.“

Frickenhausen, so Blessing, sei keine arme Gemeinde, aber mit den anstehenden Aufgaben konfrontiert, gehe es eben nicht ohne neue Schulden, zumal man keine Containerbauten (die übrigens auch alles andere als kostengünstig seien) als Sozialwohnungen ausweisen wolle.

„Wir denken hier langfristig und wollen auch für Ortsarme und Geringverdienende bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stellen können“, verteidigte Blessing die Pläne der Verwaltung, mit den zinslos von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung gestellten Hilfskrediten dieses Projekt anzugehen: „Hier gilt das Windhund-Prinzip: wer zuerst am Napf ankommt, hat zu fressen. Wenn der Topf leer ist, gibt’s nichts mehr.“

Sollte der Rat sich dagegen aussprechen, prophezeite Blessing, würden sich andere Gemeinden umso mehr über den zinslosen Geldsegen freuen. Pessimismus klingt anders.

Hier (5,072 MiB) finden Sie die Präsentation zur Bürgerversammlung.

Startschuss für ein Netz zur Integration (20,9 KiB)